Die Rückkehr der Bierdose

Bier in Dosen hatte lange Zeit ein Billig-Image. Dosenbier, das tranken Punks und nur eine Rockband wie Illegal 2001 konnte zu einem Urteil wie „Dosenbier macht schlau“ kommen. Dann kam im Jahr 2003 das Dosenpfand und besiegelte zumindest in Deutschland das Schicksal der leichten Hülle aus Aluminium oder Weißblech: Der gesamte Getränkedosen-Absatz sank von acht auf deutlich unter eine Milliarde Dosen im Jahr. Doch jetzt kommt die Dose zurück – woran liegt’s?

Seit 2010 steigt die Nutzung von Getränkedosen wieder. 2017 lag sie bei rund zweieinhalb Milliarden insgesamt, wovon Bierdosen fast eine Milliarde ausmachten. Einen gewissen Anteil daran hat der Trend zum Craftbier, und das hat mehrere Gründe:

Transport: Dosen wiegen deutlich weniger als Flaschen, sind gut stapelbar, unzerbrechlich und somit viel besser zu transportieren – das gilt für Hersteller gleichermaßen wie für Bierfans. Da Craftbiere häufig über große Entfernungen transportiert werden, ist die Dose hier im Vorteil.  

Schutz: In der Dose ist Bier besser gegen Licht und Sauerstoff geschützt, es bleibt besser haltbar – gerade bei Craftbieren mit ihren ausgeklügelten Aromen ein wichtiger Aspekt. Und sie lässt sich schneller abkühlen.

Umwelt: Zwar liegt der CO2-Fußabdruck der Dose über dem der Pfandflasche, allerdings liegt die Recyclingquote bei über 95 Prozent. Auf langen Transportstrecken nähert sich der Wert dem der Glasflaschen aufgrund des deutlich geringeren Gewichts an.

Verbesserung: Dosenhersteller tüfteln stets an Verbesserungen – so gibt es inzwischen wiederverschließbare Dosen. Auch an komfortableren Trinköffnungen wird geforscht, ebenso wie an Beschichtungen, die den Metallgeschmack eliminieren.

Gewöhnung: Verbraucher haben sich an das Pfand gewöhnt – es ist inzwischen ganz normal geworden, Getränkeverpackungen verschiedener Arten zum Ort des Einkaufs zurückzubringen. Pfandautomaten erleichtern das zusätzlich.

Imagewandel: Bierdosen haben ihr Proll-Image abgeschüttelt. Schickes Design ist vor allem bei Craftbier, das auf Individualität setzt, ein bedeutender Faktor im Marketing. Hier bietet die Dose mehr Fläche und Flexibilität als ein Flaschenetikett.

International schätzen vor allem kleinere Craftbrauereien die Dose. Der Trend breitet sich von den USA nach Europa, Asien und Südamerika aus.

2018-02-07T09:23:35+00:00 7. Februar 2018|malt & more|